Swinging Hamburg

Die Geschichte der Hamburger Jazzszene - Teil 02 - Gabriele Benedix

4.1 Die Nachkriegszeit


Auf den Jazz vor und während des Zweiten Weltkrieges in Hamburg wird im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingegangen. Als Beispiel versammelten sich während des Krieges die sogenannten Swingheinis vornehmlich im Alsterpavillon. Diese ''Jazztypen'' hörten die englische Swingmusik, also weniger die großen amerikanischen Musiker wie Louis Armstrong aus der damaligen Zeit. Diese Bewegung "... war eigentlich nur so eine Kulthaltung, sich abzusetzen von der Uniformität der Faschisten und Jungvolk ..., da hatten die so ihren eigenen Weg der Exklusivität."

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hamburg von den Engländern besetzt. Sie gründeten ein Kulturzentrum, genannt die Brücke, in dem man in Zusammenarbeit mit dem englischen Soldatensender BSN englische Zeitungen und englischsprachige Bücher ausleihen konnte. Der integrierte ''Jazzclub'' bot gemeinsames Jazz-Platten-Hören an: "Das war damals ja noch spannend, daß man zum ersten Mal überhaupt die Platten hören konnte."

Das erste große Jazzkonzert fand Mitte 1952 in der damals noch stehenden Ernst-Merck-Halle mit Louis Armstrong statt. Es folgten weitere amerikanische Stars wie Duke Ellington, Ella Fitzgerald oder Linol Hampton. Laut Burkhard stellt dies ein politisches Moment dar. Er wertet die Auftritte schwarzer und jüdischer Musiker (z.B. Benny Goodman) als Freundschaftsgruß. Hieraus resultiert auch neben dem rein Musikalischen das Interesse an der relativ neuen Stilrichtung Jazz - es bedeutete für die Hamburger ein stückweit ''über den Zaun gucken''.

Die großen Konzerte stellten damals bereits ein Öffentlichkeitsphänomen dar, da bei Linol Hampton beispielsweise ebensolche Saalschlachten wie später bei den Beatles und heute Take That stattfanden. Es wurden Stühle zerschlagen, es kam zu Ausbrüchen der Massenhysterie, weshalb die Konzerte in der Musikhalle eine Zeitlang eingestellt wurden. Wie auch heute noch war Hamburg für den Jazz in der Nachkriegszeit als Veranstaltungsort für internationale Künstler von Bedeutung. Die Hamburger Musiker jedoch spielten eine erheblich untergeordnete Rolle.

In den 50ern begann der Jazz als reines Dixieland-Revival. Der englische Soldatensender BSN verbreitete New Orleans Jazz, wodurch die lokalen Musiker stark geprägt wurden. Somit war Hamburg von Anfang an eine Hochburg des traditionellen Jazz, im Gegensatz zu Frankfurt, wo sich durch die amerikanischen Besetzer schnell leidenschaftliche Bebopmusiker herauskristallisierten. "Dies ist eine Erklärung dafür, warum eigentlich lange Zeit die modernen Jazzkeller hier vor sich hin krebsten."

Auszüge aus der Diplomarbeit und mit freundlicher Genehmigung von Gabriele Benedix

(23.08.1999 - 4295 mal aufgerufen)

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