Swinging Hamburg - Die Webseite aus der Jazzhauptstadt Hamburg

Die Geschichte der Hamburger Jazzszene - Teil 07 - Gabriele Benedix

5.1 Die Veranstaltungsorte


In der Regel finden Jazzkonzerte in eigenen Clubs, auf Festivals und bei kulturellen Veranstaltungen statt. Für Hamburg liegt kein statistisches Material über die Konzertbesucher vor. Für Gesamtdeutschland untersuchte das BAT Freizeit-Forschungsinstitut 1993 das Konzertverhalten der Deutschen. Demnach besuchen nur zwei Prozent der Deutschen des öfteren einen Jazzclub, womit dies weit unten auf der Liste des kulturellen Freizeitinteresses steht.

Diese Arbeit untersucht das prozentuale Verhältnis der Jazzkonzerte mit Hamburger Musikern wofür schriftliche Fragebögen verschickt wurden. In diesem Fragebogen wurde erfragt, wieviel Konzerte im Jazzbereich stattfinden, wie hoch der Anteil an Hamburger Musikern ist und damit einhergehend die Resonanz des Publikums. Hierbei wurden nur Spielstätten angeschrieben, in denen Jazz gespielt wird. Von insgesamt 38 befragten antworteten 19 Veranstalter, zwei gaben an, mittlerweile keine Jazzkonzerte mehr zu geben.

Die im Folgendem aufgeführten Zahlen können nicht in Bezug auf die gesamte Publikumsnachfrage interpretiert werden. Vielmehr geben sie einen Überblick über die Situation in den einzelnen Clubs. Von den 19 Antworten gaben vier Veranstalter an, ausschließlich Jazzkonzerte zu geben. Somit antworteten alle angesprochenen Jazzclubs in Hamburg. Ihre Auslastung liegt zwischen 55 und 220 Konzerten je Jahr. Zwei der Clubs lassen Modern Mainstream, Swing und Bebop bis Free spielen, ein Club überwiegend traditionellen Jazz, der vierte spielt für seine junge Zielgruppe HipHop Dancefloor und Funk. Die anderen drei Clubs geben als Zielgruppe ein überwiegend besser gebildetes Publikum aller Altersklassen an.

Im Durchschnitt werden die Konzerte von fünf bis fünfzig Besuchern aufgesucht, bei Dancefloor- und Funkkonzerten bis zu 350 Gästen. Die Anzahl der Besucher sind in dem ''jungen Jazzclub'' nicht vom Eintrittspreisen abhängig, dafür stark vom Bekanntheitsgrad der Bands. Bei den anderen drei Clubs müssen selbst bekanntere Bands stark beworben werden, bei freiem Eintritt (Jam-Session) sind die Clubs übervoll. Ansonsten betragen die Eintrittspreise +/- DM 10,-, nur bei überregionalen Bands aus Amerika sind Eintrittspreise über DM 20,- durchsetzbar.

Die Clubs können sich nur schlecht tragen und infolgedessen den aktiven Musikern nur geringe Gagen auszahlen. Der Anteil an Hamburger Musikern überwiegt mit durchschnittlichen 80%. Die übrigen Clubs bieten Jazz in unterschiedlichen prozentualen Verhältnissen an. Von einer absoluten Konzertanzahl zwischen 10 und 150 Konzerten im Jahr liegt der Jazzanteil zwischen 5 und 80%. Hierbei ist die Tendenz zu beobachten, je weniger Konzerte im Jahr, desto höher der Jazzanteil. Überwiegend gaben die Veranstalter als Stilrichtungen Jazzrock, Swing, Bebop und Modern Mainstream an. Nur ein Club gibt ausschließlich Dixieland und Ragtime als Richtung an, bei 80% Veranstaltungen.

Die Zielgruppe läßt sich anhand der Fragebögen schwer strukturieren: Überwiegend agieren die Spielstätten stadtteilbezogen für eine Altersgruppe über 25. Somit läßt sich kein Zusammenhang zwischen Musikstil und Altersgruppe feststellen. Die Jam-Session spielt bei dieser Veranstaltergruppe keine Rolle. Bis auf vier Spielstätten engagieren sie für die Jazzkonzerte 50 bis 90% Hamburger Musiker. Die anderen legen das Hauptmerk auf internationale Stars.

Es ist eine starke Korrelation zu den Besucherzahlen festzustellen: Clubs mit ausschließlich internationalen Interpreten geben Besucherzahlen bis zu 600 an, Hamburger Bands ziehen fünf bis fünfzig Gäste an. Eine Abhängigkeit zu den Eintrittspreisen nannte keiner der Befragten, zu dem Bekanntheitsgrad der Bands besteht eine starke Abhängigkeit. Hamburger Künstler spielen vor ihrem eigenen Publikum, das sie durch gezielte Werbung erreicht haben. Die Jazzkonzerte finden in dieser Gruppe autark statt, selten begleitet von einem Rahmenprogramm wie z.B. Ausstellungen.

Keiner der befragten Veranstalter kann allein von der Jazzmusik leben. Es ist immer eine Mischung mit anderen musikalischen Bereichen wie beispielsweise Rock- oder Bluesmusik. Einer der Befragten sagt sogar, es sei ein Kampf gewesen, Jazzkonzerte zu veranstalten. Mittlerweile kämen aber auch Gäste, sie hätten ihr Publikum quasi etwas erzogen. An der Veranstaltung von Festivals ist keiner der Befragten beteiligt. Lediglich an Stadtteilfesten wurden gelegentlich Teilnahmen benannt.

Auszüge aus der Diplomarbeit und mit freundlicher Genehmigung von Gabriele Benedix

(zuletzt aktualisiert: 23.08.1999 - 4493 mal aufgerufen)

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